Rot-Runner

Mercedes 280/8 W 114

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1972 wird Emerson Fittipaldi Formel-1-Weltmeister, und Eddy Merckx radelt bei der Tour de France wieder mal zum Sieg. Wer es aber auf den bundesdeutschen Straßen sportlich angehen lassen will, griff damals nicht unbedingt zum Strich-Acht, oder doch? Die 72er signalrote Limousine von Ulrich Nast tritt auch noch über 30 Jahre später zum Gegenbeweis an.

Nicht nur der Wagen, auch der Pilot ist dafür gut vorbereitet. Kurz vor der Fahrt zieht sich der Fahrer ein Paar hellbraune Lederhandschuhe an und streicht über den dünnen Lenkradkranz der ersten Serie. Sicher ist sicher. Denn was von außen nur Kenner wahrnehmen: Es handelt sich um einen 185 PS starken 280 E. Doppelstoßstangen vorn, Coupéstoßstangen hinten und ein Auspuff mit Doppelrohr sind da schon die frappierendsten Unterschiede zu den kleineren Modellen. ”Kleine Baureihe mit großem Motor, das ist reines Understatement”, begeistert sich Nast, während er den Zündschlüssel im Schloss umdreht. Dann hört man, was er meint. Kernig grollt der Sechszylinder vor sich hin. Ein Sportler, der sich warmläuft.

Auch 1972 verfehlte das seine Wirkung nicht. Die Autotester von einst lobten die neuen Strich-Achter als ”Mercedes für BMW-Fahrer”. Ziel erreicht, denn Mercedes wollte natürlich speziell in diesem bayrischen Jagdrevier wildern. ”Neue Temperamente” nannten die Stuttgarter in einer Anzeige diese vier Modelle umfassende Dynamikoffensive. Denn im Zentrum stand der neue 2,8-Liter-Sechszylinder mit zwei obenliegenden Nockenwellen und siebenfach gelagerter Kurbelwelle. Ob als Vergaser oder Einspritzer, ob im Coupé oder in der Limousine: ein Motor vom Feinsten. Der Einspritzer ist sportlich ausgelegt und erreicht erst bei 4.500 U/min sein maximales Drehmoment von 238 Nm. Ein Drehzahlbegrenzer hemmt spätestens bei 6.800 U/min den Vortrieb. Obwohl sonst nur kleine technische Details (z.B. größerer Tank oder Getriebemodifikationen) bei den Neuheiten geändert wurden, hatte diese Art von Understatement natürlich ihren Preis: Mit einigen Extras konnte man den Grundpreis von 25.463 Mark durchaus an die Preisgrenze der kleinen S-Klasse bringen. Das Fahrwerk musste jedoch nicht verändert werden.

Davon profitiert Ulrich Nast noch heute. Auch bei etwas forcierter Kurvenfahrt bleibt der 280 E lange gutmütig. Nast, beruflich Experte in Sachen Sicherheit, schätzt dies besonders. Genauso wie das Raumgefühl: ”Trotz der Sportlichkeit hab’ ich niemals ein Gefühl der Enge”, sagt der großgewachsene Mann. Seine Augen wandern kurz nach vorn zum Stern auf dem Kühlergrill. Gerade beim Strich-Acht hat der Stern eine besondere Bedeutung: Es ist das letzte Mercedes-Modell, bei dem ihn die Scheinwerfer seitlich anstrahlen – die Illumination eines Denkmals. Für Nast bewirkt der Kühlerzierat eine Initialzündung. Als Jugendlicher fuhr er einmal in einem 200/8 mit. Neben der zeitlos klassischen Form und dem nostalgischen Interieur beeindruckte ihn vor allem die Tradition der Kühlerfiguren, der Blick auf den Stern. Ein paar Jahre später konnte dann endlich der erste eigene Strich-Acht in Besitz genommen werden.

Von: Peter Löschinger

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