Phönix aus der Asche

Mercedes 190 SL W121

Mercedes 190 SL W121

Mercedes 190 SL W121

Mercedes 190 SL W121

Mercedes 190 SL W121

Die Menschen im beschaulichen Sassenberg erfreuten sich an einem Spätsommertag des Jahres 1998 an der westfälischen Septembersonne. Alles ging seinen gewohnten Gang. Alles? Nein, denn auf das Grundstück einer Familie wurden unablässig riesige braune Kisten geschleppt. Die angestrengten Gesichter der Träger ließen das schwere Gewicht der Fracht erahnen. Genaue Beobachter konnten zwölf Stück zählen, die eine nach der anderen im Haus verschwanden. Was ging hier vor?

Christoph Baumhöver startete mit dieser Aktion ein Hobby, das ihn lange Zeit beschäftigen sollte: die Restaurierung eines komplett in Einzelteile zerlegten 190 SL. Der heute 64-Jährige ist ein Mann mit dem Stern am rechten Fleck, denn der Kfz-Meister arbeitet seit fast 40 Jahren für Mercedes. Und obwohl Meister Baumhöver in der ganzen Zeit so ziemlich alle Typen und Klassen von ihren Zipperlein und Krankheiten kurierte, seit 1972 privat fast ausschließlich Mercedes fährt und obendrein noch seinen Filius für diesen Beruf begeistern konnte, blieb doch bislang ein spannendes Kapitel bislang aus: die Restaurierung eines Klassikers, an dem er in seiner Lehrzeit noch selbst geschraubt hatte. Aber ein Zufall sollte dies ändern.

Ein Kunde fragte, wer Interesse an einem 190 SL haben könnte. Der sei allerdings komplett in Einzelteile zerlegt. Der Besitzer hatte den Aufwand der Arbeiten falsch eingeschätzt und wollte lieber wieder BMW-Motorräder restaurieren. Mehrere Wochen des Suchens zogen ins Land, bis Baumhöver den potenziellen Interessenten gefunden hatte – sich selbst. ”Mensch, dachte ich mir, guck dir den Wagen doch einfach mal an, das wolltest du immer schonmal”, machte er sich einen Besichtigungstermin schmackhaft. Zwar war von einem Auto im eigentlichen Sinne bei diesem Termin nicht viel zu sehen, ”denn selbst die Flanken der Karosserie waren bereits demontiert und die Form nicht mehr erkennbar”, so Baumhöver. ”Aber die Hauptteile sowie Motor, Achsen und Getriebe waren vorhanden, und alle Nummern stimmten mit dem Kfz-Brief überein.” Da man sich schnell handelseinig wurde, kam es bald zu der anfangs beschriebenen Kistenprozession, und die Überreste des Roadsters wurden in Baumhövers Garage verstaut.

Für die Restaurierung wollte er sich bewusst Zeit lassen. Die Arbeiten sollten explizit ohne Druck als reines Freizeit- und Urlaubsvergnügen dienen. Sämtliche Karosserie-, Motor-, Fahrwerks-, Elektrik- und Konservierungsarbeiten wurden nach und nach in Angriff genommen. Nur die Lackierung der Karosserie in “Feuerrot” und die Sattlerarbeiten des Stoffdachs wurden in Auftrag gegeben. Vom Verdeck war lediglich das Gerippe vorhanden. Die Autosattlerei Mertens aus Münster bezog es mit dem original Sonneland-Verdeckstoff. Die Substanz der Stoßstangen und Zierteile war noch so gut, dass sie problemlos aufbereitet werden konnten.

Völlig stressfrei wurden so auch Momente minimiert, ”in denen man schon einmal sagt, jetzt schmeiß’ ich hin und verkauf’ alles einzeln”, so der geduldige Westfale. Es gingen knapp neun Jahre ins Land, bis der Wagen aus der Kiste als feuerroter Phönix auferstehen konnte, der jetzt jedes Jahr für rund 5.000 Kilometer ausfliegen darf. Und damit das Feuer auch nicht ausgehen kann, ”hat das Auto bisher noch so gut wie nie eine nasse Straße gesehen”, betont sein Restaurator, der sich an der besonderen Faszination seines Fahrzeugs noch lange erfreuen will.

Von: Peter Löschinger

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