Drive by Fire

S_123_Kombi_Feuerwehr

Mercedes_280_TE

S_123_Interieur

Mercedes_123_Fahrspaß

Fotos: Peter Löschinger

Die Freiwillige Feuerwehr Vechta in Niedersachsen baute vor über 25 Jahren in Eigenregie den damals wohl schnellsten Vorausrüstwagen auf Basis eines T-Modells auf.

Der Mercedes W 123 war als Polizei- oder Krankenwagen sehr beliebt. Denn robuste, verlässliche Technik war lebenswichtig für Einsätze zu jeder Tages- und Nachtzeit. Feuerwehren nutzten diese Baureihe als Sanitäts- oder Kommandowagen.

Eine Sommernacht im August. Mitten auf der A1 zwischen Cloppenburg und Vechta glänzte der Asphalt und reflektierte schimmernd das trübe Mondlicht. Ein lauer Wind wehte. Stille, wo sich vor kurzer Zeit Stahl mit tonnenschwerer Wucht kreischend, krachend, unerbittlich in Glas, Plastik Fleisch und Knochen bohrte. Dann Feuer! Panik, eingeklemmt, bewusstlos – aus. Die angerückte Feuerwehr hatte keine Chance mehr.

Szenen wie diese gehörten für Feuerwehrmann Hans Helms vor über 25 Jahren leider auch zum Alltag. “Wir müssen schneller am Unfallort sein, nur so können wir gewinnen“, war seine Hoffnung. Doch mit den üblichen Löschzügen und Rüstwagen auf LKW-Basis war das nicht möglich. Die Freiwillige Feuerwehr in Vechta war für einige Abschnitte der A1 verantwortlich – heute immer noch ein Unfallschwerpunkt. Und nächtliche Diskofahrten auf den entlegenen Landstraßen im Oldenburger Münsterland endeten auch damals schon nicht alle glücklich.

Aber mit dem LKW-Fuhrpark war ein zügiges Ausrücken nur eingeschränkt möglich, und es verging wertvolle Zeit, bis man Eingeklemmte befreien oder lodernde Flammen löschen konnte – zu viel, wo Sekunden über Leben und Tod entscheiden. Ein schneller Wagen mit dem Nötigsten zur Erstrettung musste her. Der örtliche Mercedes-Händlers bot einen gebrauchten 280 TE an. Ein Umbau in Eigenregie war nicht nur wegen des dünnen Finanzrahmens der Freiwilligen Feuerwehr erforderlich, sondern auch, weil es entsprechend Schnelles noch nicht fertig im Portfolio der Spezialhersteller gab.

So genannte Schnellbergungswagen (z.B. auf Geländewagen-Basis) kamen zwar Mitte der 70er auf, waren aber zumeist nur mit Schneidewerkzeugen ausgerüstet und ebenfalls in Eigenbau entstanden. In Vechta wurde das Interieur des Kombis bis auf die Vordersitze ausgeräumt, damit der Ausbau beginnen konnte. Da freiwillige Feuerwehrleute auch noch zivile Berufe haben, konnte der damalige Stadtbrandmeister Günter Südbeck sogar den grundsätzlichen Ausbau in seiner LKW-Karosserie-Werkstatt erledigen.

Hinter den Vordersitzen entstand eine pressluftbetriebene 50-Liter-“Lightwater“-Löschanlage, die mit Schaummittel versetztes Wasser beinhaltete. 50 Liter hören sich nach wenig an, aber “damit habe ich locker einen PKW ausgemacht, der in Brand stand“, sagt Helms. Die Schläuche konnten durch die geöffnete Fondtür geführt werden. Hinter der Heckklappe baute man zudem einen herausfahrbarern Metallschlitten mit schnell und bequem entnehmbarer Rettungsschere, Hydraulikpumpe, Spreizer und Hydraulikzylinder ein.

Den notwendigen Strom lieferte ein unter der Haube eingebautes 230-V-Stromaggregat, das vom Motor betrieben wurde Das amerikanische Fabrikat besorgte man über die Niederlande, und die Mercedes-Werkstatt baute es so ein, dass der Strom auf Knopfdruck über eine Magnetkupplung zuschaltbar war. Über ein spezielles Gasgestänge konnte zudem die Tourenzahl immer auf der benötigten Höhe gehalten werden, die der Betrieb der Hydraulikgeräte erforderte. Das konnte auch von der Arbeitsplattform im Fond aus bedient werden.

Von: Peter Löschinger

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