Aufbauleistung

170 S-D (W 136)

170 S-D (W 136)

170 S-D (W 136)

170 S-D (W 136)

170 S-D (W 136)

Nach dem Krieg rollte bereits im Frühjahr 1946 wieder der erste 170 V als Kasten- und Pritschenwagen aus den stark zerstörten Mercedes-Benz-Werken – ein Phönix aus der Asche. Aber auch für den Karosseriebauer und Mercedes-Vertreter Lueg aus Bochum stellte der 170er eine Basis für einen Neubeginn dar, nachdem die alliierten Luftangriffe die Werke in Bochum und Essen fast vollständig zerstörten. Mit einem besonderen Pritschenwagen feiert Lueg heuer 140-jähriges Jubiläum.

Sie denken, dem individuellen Auto seien heute kaum Grenzen gesetzt? Könnte man auch meinen, schaut man sich allein die Sonderausstattungs- und Zubehör-Kataloge der Hersteller an – das schier unendliche Angebot der Veredler sei hier mal außen vor gelassen. Doch was sind Räder, Spoiler und Co. gegen die Exklusivität einer eigenen Karosserie? In Zeiten der Rahmen-Fahrgestelle mit aufgesetzter Karosserie war das ohne weiteres möglich. Da bestellte man sich beim Daimler ein Fahrgestell mit Motor und suchte im Angebot der Karossiers seines Vertrauens etwas Passendes aus oder ließ sich dort ganz dem eigenen Maßstab folgend ein Blechkleid schneidern.

So entstanden – oft aus ehemaligen Kutschenbauern – exklusive Fachbetriebe für Karosseriedesign. Klangvolle Namen wie Castagna, Erdmann & Rossi, Farina, Reutter oder Gläser lassen die Vintage-Fans heute verzückt ins Schwärmen geraten. Denn die damals zumeist sehr betuchte Klientel ließ durch ihre oft ausgefallenen Wünsche und ihr Gespür für Luxus die Karosserien zu wahren Kunstwerken auf Rädern werden. Die sorgen so auch anno 2008 auf so manchen Concours d’Elégance bei vielen für geradezu hysterische Begeisterung und vorbehaltloses “Haben-Wollen“, was freilich leider nur bei einer ganz kleinen Schar leidlich Betuchter auch in “Haben-Können“ mündet. Aber auch im Nutzbereich, und hier gerade bei den Kombis, erweiterten Externe das Daimler-Programm. So gab’ s den “Gebrauchswagen“ (Prospektjargon) 170er als Lieferwagen oder Kombi nur als Sonderanfertigung ab Werk oder eben bei verschiedenen Karossiers.

Das vielseitigste Programm hatte hier die 1868 gegründete Fahrzeug-Werke Lueg GmbH aus Bochum zu bieten. Egal, ob Lieferwagen, Pullmann-Limousine, Bestattungswagen oder Mehrzweckwagen, von Bochum aus rollten sie in alle Welt.

Bereits 1904 karrossierte Lueg einen Mercedes und bei der ersten Automobilausstellung vier Jahre später zeigte man sich mit eigenem Stand. 1910 wurde Lueg gar zum Hoflieferanten des spanischen Königs. 1914 schloss man einen Kooperationsvertrag mit Benz & Cie. Lueg wuchs und lieferte weltweit. Seit der Fusion von Daimler und Benz 1926 war man Werksrepräsentant. Im zweiten Weltkrieg bauten die Bochumer Kriegsbedarf: Sanitätskraftwagen (“Sankas“). Nach dem Krieg bot vor allem das technisch einfache, aber zugleich zuverlässige Vorkriegs-170-Fahrgestell eine ideale Basis für die Aufbauten.

Mercedes lieferte die Fahrgestelle mit Motor, vorderen Hauben und Stirnwand nach Bochum, wo sie sich dann mit den jeweiligen Aufbauten aus kombinierter Metall-Holzbauweise “verheirateten.“ Im Auftrag produzierte Lueg dann direkt für Mercedes bis 1953 zum Beispiel den 170 V als Krankenwagen. So entstanden 800 Fahrzeuge vor Kriegsende und rund 1.000 Wagen danach. Mit Beginn der Ponton-Ära bei Mercedes endete der Fahrzeugbau bei Lueg 1954. Heute arbeiten fast 2.000 Menschen bei der Lueg-Gruppe, die zirka 45 Autocenter, hauptsächlich für Mercedes aber auch andere Marken, betreibt.

Von: Peter Löschinger

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