Feature: "Quod erat demonstrandum – was zu beweisen war"

911 (996) GT3 RS (Modelljahr 2004, Straße), Rennsport-Aufbau zum GT3 RSR (ACO-/Le-Mans-Stand 2004)

911 (996) GT3 RS (Modelljahr 2004, Straße), Rennsport-Aufbau zum GT3 RSR (ACO-/Le-Mans-Stand 2004)

911 (996) GT3 RS (Modelljahr 2004, Straße), Rennsport-Aufbau zum GT3 RSR (ACO-/Le-Mans-Stand 2004)

911 (996) GT3 RS (Modelljahr 2004, Straße), Rennsport-Aufbau zum GT3 RSR (ACO-/Le-Mans-Stand 2004)

911 (996) GT3 RS (Modelljahr 2004, Straße), Rennsport-Aufbau zum GT3 RSR (ACO-/Le-Mans-Stand 2004)

911 (996) GT3 RS (Modelljahr 2004, Straße), Rennsport-Aufbau zum GT3 RSR (ACO-/Le-Mans-Stand 2004)

911 (996) GT3 RS (Modelljahr 2004, Straße), Rennsport-Aufbau zum GT3 RSR (ACO-/Le-Mans-Stand 2004)

911 (996) GT3 RS (Modelljahr 2004, Straße), Rennsport-Aufbau zum GT3 RSR (ACO-/Le-Mans-Stand 2004)

911 (996) GT3 RS (Modelljahr 2004, Straße), Rennsport-Aufbau zum GT3 RSR (ACO-/Le-Mans-Stand 2004)

911 (996) GT3 RS (Modelljahr 2004, Straße), Rennsport-Aufbau zum GT3 RSR (ACO-/Le-Mans-Stand 2004)

Frank Neugebauers Rennsport-Aufbau eines 2004er Porsche 911 GT3 RS zum GT3 RSR

Zu Besuch beim 44. Osnabrücker ADAC-Bergrennen am 14. August 2011

Die Gegend rund um Osnabrück ist mit einem Flair gesegnet, das stellenweise an das Voralpenland erinnert. Trotz der geographischen Lage im Südwesten des Bundeslandes Niedersachsen hat die Region Berge zu bieten, deren Spitzen an regnerischen Sommertagen tief im Nebel stecken bleiben. Dieses Naturschauspiel bot sich den Besuchern der Gemeinde Hilter am 14. August 2011, dem Schlusstag des 44. Osnabrücker ADAC-Bergrennens. Aus Deizisau im Landkreis Esslingen bei Stuttgart reiste der Porsche-Enthusiast Frank Neugebauer an, um sich auf dem 2,030 Kilometer langen Straßenkurs auf den "Uphöfener Berg" den Zeitmessgeräten zu stellen. Im Bergrennsport wird einzeln gegen die Uhr angetreten, und der Schwabe machte seine Sache gut: Mit einem modifizierten GT3 RS der Baureihe 996 ließ er in 1,03:5 Minuten Fahrzeit als Drittplatzierter der Produktionswagen-Wertung aufhorchen. Aber nur in den Trainingsläufen. Denn am eigentlichen Renntag legte ein Antriebswellendefekt den RSR-Aufbau lahm. Für uns war die Darbietung des Diplom-Ingenieurs Grund genug, hinter die Kulissen zu blicken.

Porsche und der Bergrennsport – die historische Bedeutung dieser Liasion wird den Besuchern des Porsche-Museums am Porscheplatz 1 in Stuttgart-Zuffenhausen offenbar. Dort steht, bullig-breit und in schlichtem Weiß gehalten, Rolf Stommelens berühmter Bergspyder, der Typ 909. Vor den Toren Salzburgs, am Gaisberg, feierte dieser ultraleichte Prototyp zum Ende der Saison 1968 seinen Einstand. Das 430-Kilogramm-Leichtgewicht blieb sieglos. Es lieferte jedoch wertvolle Erkenntnisse für den Bau des 908/3, mit dem Porsche 1970 die Targa Florio auf den Straßen Siziliens in Angriff nahm. Es war eine experimentelle Ära des Motorsports, die bis heute noch gültige Technologien hervorbrachte. Trotzdem wurde es nach dem goldenen Zeitalter im motorisierten Bergsport ruhig um die Marke Porsche. Andere Hersteller taten sich hervor. Privatfahrer wie Egon Evertz, Heinrich Symanzick, Wilhelm Rinne, Toni Fischhaber oder Herbert Stolz erinnerten auf eigene Kosten an die Epoche der Porsche-Werkseinsätze. In der Neuzeit gesellten sich die Österreicher Herbert Pregartner und Rupert Schwaiger (Portrait in PORSCHE SCENE 04/2011) zumindest auf internationaler Ebene dazu. In Deutschland tat sich viel zu lange nichts. Nur Peter Hossfeld machte sich auf, einen 986 Boxster mit einem Achtzylinder-Saugmotor aus dem 928 zu bestücken und zur Krönung mit Verkleidungsteilen im Stil des 911 GT1 zu versehen. Richtig ans Laufen kam dieses noch vom 2009 verstorbenen Harry Weishaupt angeschobene Projekt bisher nicht. Gute Ansätze zeigte Frank Neugebauer mit seinem GT3 RS der Baureihe 996. Er baute einen wenig gebrauchten, im Porsche Zentrum Flughafen Stuttgart erworbenen Straßen-Sportwagen auf den Stand einer Cup-Version um. Zur Saison 2011 erfolgte ein mutiger Schritt: die Verwandlung in einen GT3 RSR. Was würde mit dem Nachbau des Klassensiegers der 24 Stunden von Le Mans 2004 am Berg möglich sein?

Dies zu ergründen, reiste Frank Neugebauer nach Hilter-Borgloh, um am 44. Osnabrücker ADAC-Bergrennen teilzunehmen. Für den Diplom-Ingenieur aus dem Schwabenland war es kein Heimspiel, aber dennoch eine Sonderform der familiären Zusammenführung. Denn Michael Starke, Geschäftsführer des Porsche Zentrums Osnabrück und auf 996 GT3 im Porsche-Clubsport aktiv, knüpfte einst am Rande des Porsche Sports Cup entsprechende Bande. Er motivierte Frank Neugebauer, den Punktbesten der Endurance-Wertung im Porsche Sports Cup 2006, sich einfach mal am Berg zu versuchen. Starkes Einladung fiel auf fruchtbaren Boden, denn im Clubsport löste der modifizierte Straßen-GT3 RS keine einhellige Begeisterung aus. Er passte in kein gültiges Reglement, und so schnell wie ungewollt fand sich Frank Neugebauer in der (Schäm-)Ecke des Nonkonformisten wieder. Dabei schwört er Stein und Bein, nicht über den Cup-Stand von 2004/05 (390 PS bei 7.200/min) hinaus gegangen zu sein. Eben das kaufte ihm das Fahrerkollegium in der Porsche Club Historic Challenge, kurz PCHC, aber nicht ab. Wann immer die Nachfertigung mit den Original-Fahrzeugen auf Augenhöhe lag, kamen die Diskussionen auf. "Und für den Porsche Sports Cup", beschreibt "Outlaw" Neugebauer die Situation, "war der GT3 RS inzwischen auch viel zu weit entwickelt. Es existierte einfach keine Kategorie für Porsche-Sportler wie mich, die zwar keinen Cup-Carrera besitzen, ihn sich dennoch detailgetreu auf der Grundlage einer anderen Variante des Porsche 911 herrichten und damit ihren Spaß haben wollten." Sein Fazit fällt ernüchternd aus: "Strenggenommen hatte es einen wie mich im Porsche-Clubsport nicht zu geben!"

So zog es ihn in die Ferne, und am "Uphöfener Berg" bei Hilter-Borgloh fand er jahrelang eine sportliche Heimat. Der GT3 RS, den er zum Klon der ehemaligen Hewlett-Packard-Carrera im nationalen Cup ausarbeitete, mauserte sich zum Liebling des Publikums. Im Spätherbst 2010 fiel der Beschluss, noch einen Schritt weiter zu gehen. Dank der Porsche-eigenen Baukasten-Strategie sollte es möglich sein, die technische Konfiguration des 2004er GT3 RSR zu übernehmen! Damals debütierte die konsequenteste Ausbaustufe der Baureihe 996 mit 3,6-Liter-Sechszylinder-Saugmotor, die 455 PS bei 8.500/min abgab und auf Anhieb einen Klassensieg bei den 24 Stunden von Le Mans (Maassen/Bergmeister/Long) errang. Das GT-Rennfahrzeug, das anhand seiner tropfenförmigen Scheinwerfer zu erkennen war, erhielt ein sequentielles Sechsgang-Getriebe und markante Kotflügel-Verbreiterungen. Holger Zimmermann, im Eifelstädtchen Mendig niedergelassener Lieferant zahlreicher GT-Rennställe, hatte einen entsprechenden Karosserie-Bausatz seit Jahren im Programm, und genau dieser Umstand brachte Frank Neugebauers RSR-Mission auf Drehzahl. Er lernte nicht nur "Zim", den inzwischen 40-jährigen Sohn eines bekannten Kunststoff-Formenbauers, kennen und schätzen, sondern auch Michele Rinaldi, dessen Nachbarn. Der Porsche-Technik-Experte praktiziert auf demselben Gelände wie Zimmermann, und schon desöfteren trat das Duo als Arbeitsgemeinschaft auf. So zeigten wir in PORSCHE SCENE 07/2010 Bilder des gelben 997 RSR des Kölner Teams M-Speed. Äußerlich eine Kunden-Rennversion aus Weissach, handelte es sich in Wirklichkeit um eine umgerüstete Cup-Ausführung.

Mit dem Wissen aus diesem und anderen, ähnlich gelagerten Projekten ausgestattet, nahmen sich Zimmermann und Rinaldi Frank Neugebauers ehemaligem GT3 RS an. In Jürgen Alzen kam noch ein dritter Intimkenner zeitgenössischer Porsche-Renntechnik hinzu. Das Trio teilte sich die Aufgaben, und der Auftraggeber aus dem Landkreis Esslingen legte selbst mit Hand an, wann immer er konnte. Das gemeinsame Schrauben mit den Heroen der Branche faszinierte ihn. "Am meisten überraschte mich die lockere und vorbehaltslose Art dieser Menschen, die alle etwas erreicht haben im Motorsport", begeistert sich Frank Neugebauer, der auf die besonders aufwändigen Material-Kniffe verzichtete. Die Einheit aus Motor und Getriebe blieb zumindest in ihren Grundzügen erhalten, auch wenn Michele Rinaldi sie zwecks Modifikation neu aufbaute. Nach einer Hubraumerweiterung von 3,6 auf 3,8 Liter kratzt der Sechszylinder-Boxer an einem Schwellenwert. Er entwickelt 490 PS bei einem maximalen Drehmoment von 455 Newtonmetern. Wie schlägkräftig diese Konstellation bereits ist, zeigte sich am 13. August 2011 beim 44. Osnabrücker ADAC-Bergrennen. An jenem Samstag ließ Frank Neugebauer hinter einen Mercedes 190E mit Judd-Achtzylinder-Rennmotor und einem Ex-DTM-Opel Astra V8 Coupé die drittschnellste Zeit in der Wertung der Produktionswagen notieren. Er meisterte die 2,030 Kilometer lange Strecke in 1,03:5 Minuten. Mögliches Motto: "Quod erat demonstrandum – was zu beweisen war". Am Sonntag musste er nach einem Defekt im Antriebsbereich zuschauen. Er nutzte die Zeit, um Pläne zu schmieden. Im Umfeld der VLN-Langstrecken-Meisterschaft Nürburgring setzt er den Porsche als Renntaxi auf der Nordschleife ein. Auf diese Weise sammelt er Erfahrungen, die ihm bei künftigen VLN-Einsätzen in der Kategorie SP7 (VLN-Specials mit bis zu vier Litern Hubraum) helfen sollen.

Dazu ist die Karosserie bei Holger Zimmermann auf die maximal zulässige Breite gebracht worden. Auf eine ähnliche Aerodynamik-Version vertrauten 2005 Peter und Chris Mamerow, die einen RSR aus der American Le Mans Series (ALMS) für ihre Zwecke präpariert hatten. Für Frank Neugebauer endete ein erster Probelauf mit dem "XXL-Bodykit" aus ungeklärter Ursache in der Streckenbegrenzung der "Eiskurve". Auf Nachfrage gibt er jedoch die Auskunft, alles sei schon wieder fit und repariert. Fernziele? Nun, zunächst will er für seinen Sponsor Prescolaris weiterhin Renntaxi fahren und den einen oder anderen VLN-Lauf bestreiten. Doch auch bergwärts wird mit ihm 2012 zu rechnen sein, nicht nur am "Üphöfener Berg" in Hilter-Borgloh. Die ultimative Herausforderung könnte ihn in Norditalien erwarten. Im Trentino, gleich bei der Stadt Trient, findet mit der Prüfung "Trento-Monte Bondone" ein Klassiker statt. Auffällig gut informiert ist der Ingenieur über die Vorgänge dort, und wer weiß – vielleicht begibt er sich bald auf Kurvenjagd!? Er würde auf einen reaktivierten Großmeister treffen: Jean-Marie Alméras hat seinen 1982 eingesetzten 935 turbo hervorgeholt und will es noch einmal wissen. Auch für den Franzosen aus Montpellier gilt offenbar: "was zu beweisen war". Mit 68 Jahren. Vorteil Frank Neugebauer: Er hat noch ein paar Jahre mehr für all das, war er sich im Porsche-Sport vorgenommen hat. Und wer weiß – vielleicht kommt es 2012 zum Duell zwischen ihm und Alméras, der sich am 5. Juni dieses Jahres auch in Trier beim deutschen Berg-Europameisterschaftslauf sehen ließ. Auf dem 46. Gesamtrang geführt, hatte er die Konkurrenz der "Historischen" fest im Griff.

Fußnote: Auch beim 45. Osnabrücker ADAC-Bergrennen am 4./5. August 2012 lohnt es sich für Frank Neugebauer, Gas zu geben. Erstmals ist dem Großereignis das Prädikat eines Wertungslaufes zur Internationalen FIA Hillclimb Challenge verliehen worden.

weitere Informationen online unter:
www.msc-osnabrueck.com

Von: Carsten Krome; Fotos: THF Racing Frank Neugebauer, Presse MSC Osnabrück e.V.

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