Lebende Legende

W 198 300 SL Gullwing

W 198 300 SL Gullwing

W 198 300 SL Gullwing

W 198 300 SL Gullwing

W 198 300 SL Gullwing

Seine Serienexistenz verdankt der 300 SL den großen Erfolgen des 300-SL-Rennwagens (W 194), der 1952 das 24-Stunden-Rennen von Le Mans, am Nürburgring, den GP von Bern und schließlich die Carrera Panamericana in Mexiko gewann und damit erstmals nach dem Krieg Mercedes wieder eindrucksvoll auf die Siegerstraße im Rennsport führte.

1954 ging es wieder aufwärts. Das gerade angekurbelte Wirtschaftswunder füllte endlich wieder die Mägen, und man wurde langsam wieder mobil, wenn auch hauptsächlich mit schwach motorisierten Kleinwagen. Das Fußballwunder von Bern und der Formel-1-Debütsieg der Mercedes-Silberpfeile beim Grand Prix von Frankreich am gleichen Tag waren mentales Doping für die Deutschen. Aber mit so was hatte wohl wirklich keiner gerechnet: Pfeilschnell, sündhaft teuer und in ein atemberaubendes Blechkleid gehüllt präsentierte sich der 300 SL 1954 und muss wie ein UFO gewirkt haben – der ultimative Traumwagen schlechthin. Und von dieser Faszination hat er bis heute nichts verloren.

Die Autowelt ist heute auch trotz der CO2-Debatte wahrlich nicht um Sportwagen verlegen. Die neuesten Kreationen von Ferrari, Porsche oder Maserati lassen sich selbst im Straßenbild der Provinz schon mal ausmachen. Durch TV, Zeitschriften oder Internet kennt man sie sowieso schon, echte Hingucker sind sie oft nur noch für Autofans.

Als wir aber mit dem 300 SL im Ammerland bei Oldenburg unterwegs sind, gibt es kaum Passanten, die nicht stehenbleiben und aufmerksam, interessiert oder genussvoll die Hälse recken. Die Blicke werden von der atemberaubenden stromlinienförmigen Karosserie gefangen und nicht mehr losgelassen. Sie erfassen die Wölbungen der Motorhaube, schweifen über die Kotflügel, und kurz bevor der Wagen aus dem Blickfeld verschwindet, verlieren sie sich für einen letzten Augenblick in den Heckrundungen. Flach geduckt und breit rollt die Skulptur auf vier unfassbar schmalen Rädern und hebt sich funkelnd wie ein Diamant vom sie umfließenden modernen Straßenverkehr ab.

Als wir das Erbprinzenpalais in Rastede erreichen, klappen wir die Flügeltüren für den Fototermin nach oben und vollenden damit den ikonenhaften Auftritt. Und dann passiert, was immer passiert, wenn das Auto länger als zehn Minuten irgendwo steht. Eine Radfahrergruppe hält, staunt, zückt Kameras. ”Was ist das für ein Auto?”, ”Einfach Wahnsinn!” oder ”Was kostet denn so was?” prasselt es dann auf einen ein. Die meisten jedoch genießen den Anblick still, fast demütig. Einer scheint im Zwiegespräch mit der Gattin tatsächlich spontan in Versuchung geraten zu wollen, das Eigenheim für ein solches Gefährt umgehend eintauschen zu wollen. Da aber wohl Gott sei Dank selbst das nicht reichen würde, ward das Zuhause der Gattin sogleich wieder gerettet.

Ein 300 SL Coupé, wie der Flügeltürer offiziell heißt, durchbricht als Top-Exemplar derzeit schon mal die 500.000-Euro-Grenze, die Preise haben sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt, und unter 350.000 Euro geht eigentlich nicht mehr viel. So kann man sich schon glücklich schätzen, ihn einmal live im Straßenverkehr erleben zu dürfen, denn viele Besitzer sperren ihr Exemplar staub-, wasser- und sichtgeschützt weg.

Von: Peter Löschinger

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