Was macht ein Mercedes-Lehrling Anfang der 90er sonntagnachmittags? Richtig: Er fiebert am TV mit den DTM-190ern mit. Wie lange dauert es dann bis zum ersten eigenen Wagen? Wieder richtig: nicht lange. Um welche Marke handelt es sich dabei? Sie denken, Mercedes? Falsch geraten, denn Maik Baumhöver aus Sassenberg ist erst knapp zehn Jahre später mit dem ersten eigenen Stern unterwegs.
Die anfangs noch sehr hohen Gebrauchtpreise für den Wunsch-Sechszylinder und die aktive Schrauberbegeisterung für seinen verfeinerten Golf 1 ließen die Jahre ins Land ziehen. Aber: Der W 201 wurde nicht vergessen. Bei einem Treffen fiel ihm einmal eine dezent veredelte Variante auf, die seinen Geschmack traf. ”Wenn ich mir irgendwann einen Mercedes hole, dann so einen: tiefer, schöne Felgen, aber ohne große Spoiler und dezent.” Das hielt den Wunsch nach einem eigenen 190er wach und die Augen danach offen.
Erst 1999 schlug Baumhöver zu und erwarb den damals zehn Jahre alten 2.6er mit Schaltgetriebe bei einem großen Händler im Sauerland. Tankuhr, Bremsen und Ventilschaftdichtung mussten erneuert werden, bevor bei Koni gekürzte “Sport SP”-Federn, dunkle Scheinwerfer und Blinker die ersten Individualisierungsarbeiten einläuteten, die sich über die folgenden sechs Jahre hinziehen sollten.
Sämtliche Motorteile wurden poliert oder chrombeschichtet. Auch der Ventildeckel sollte verchromt werden, doch aufgrund des Magnesiumanteils hielt der Überzug nicht, so dass das Teil poliert wurde. Genauso wie das Krümmerabdeckblech, das ursprünglich von einem W 124 stammt und mittels speziell angefertigter Halterungen fixiert wird. Glanz macht süchtig, da akzeptiert man gerne auch den höheren Pflegeaufwand: ”Ich muss ständig nachpolieren”, bedauert Baumhöver. Die Motorwärme und auch Feuchtigkeit durch Wetterumschwünge rücken dem Glanz zu Leibe.
Der Innenraum hingegen kontrastiert mit der glänzenden Augenweide im Motorraum. Hier wurden die Kunststoffverkleidungen am Armaturenbrett wie Handschuhfachdeckel oder Luftdüsen in Schwarzchrom beschichtet. Die “Sportline”-Viersitzerausstattung wurde nachträglich im Internet als Stoffausführung ersteigert und für knapp 2000 Euro aufwändig mit Leder bezogen.
Erst spät entdeckte Maik Baumhöver seine Passion für Musikanlagen: ”Das gehört aber jetzt einfach dazu”, begeistert er sich. Drei Wochen lang arbeiteten Baumhöver und seine Freunde am HiFi-Kofferraumausbau mit Plexiglas und blauer Beleuchtung. Ein Garant für satten Sound. Apropos Sound: Ab dem Kat sorgt eine selbst konzipierte und eingetragene 90-mm-Endrohranlage für ein beeindruckendes Klangerlebnis – schon seit Jahren ist dies Baumhövers gut gehüteter Spezialtrick. ”Denn es ist äußerst schwer, aus dem Sechszylinder einen guten Klang rauszukriegen, bei einem BMW ist das kein Problem”, sagt er.
Da trifft es sich gut, dass auch Baumhövers Vater auf knapp 40 Jahre Berufserfahrung bei Mercedes zurückblicken kann und die Berufswahl des Filius‘ prägte: ”Das lag in meinem Blut, das wollte ich auch machen.” Die doppelte Erfahrung zahlt sich bei so einem Hobby eben aus. Maik Baumhöver bewegt seinen Wagen etwa 3.000 Kilometer bei Clubausfahrten, wo er mit dem 190er stets für einen glänzenden Auftritt sorgt.
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Von: Peter Löschinger
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